Festplätze

 

 

Jahrmärkte und Volksfeste bieten Angela Bröhan seit einigen Jahren die Motive für ihre Serie Festplätze. Die Assoziation vom „Rummel“ – Menschenmengen, Musik und Marktschreiereiwerden durch stille, geradezu melancholische Momentaufnahmen hinter den Kulissen der Fahrgeschäfte und Buden mit oft unerwarteten Blickachsen konterkariert.

Zwei Themen, die sich ineinander verschränken und mitunter gegenseitig bedingen, treten besonders hervor. Das erste Thema sind Räume verbunden mit der Frage nach deren Definition, Grenzen und Begrenzung sowie nach dem Verborgenen. Flächen verschachteln sich und schieben sich ineinander. Blickachsen werden verstellt und öffnen sich überraschend an anderer Stelle. Zu sehen sind tiefe, geometrisch aufgefasste Raumfluchten. Dann wiederum das genaue Gegenteil, der Blick ist frontal versperrt durch Wände, Wohnwagen, Zelte oder Planen. Hier ist Bröhans Bildaufbau symmetrisch und statisch – die Formen sind reduziert. Während sich der Betrachter orientiert und seinen Standpunkt verortet, während er die Flächen aus Boden, Planen und Hauswänden als Räume zu begreifen und Illusion und Wirklichkeit irritiert voneinander zu trennen sucht, entwickelt sich der Raum zur Bühne.

Das zweite Thema ist das Verhältnis von Illusion und Realität. Die Wirklichkeit des Jahrmarktes ist artifiziell. Starkfarbige, oft monochrome Flächen – bemalte Wände, Pappmaché, grellbunte Plastikplanen –, die durch helles Sonnenlicht und Schlagschatten noch betont werden, wirken unwirklich und künstlich im Vergleich zu der Jahrmärkten genuinen Illusionsmalerei, die Bröhan subtil in Szene setzt. Das Gemalte, Inszenierte, das Abbild der Wirklichkeit kontrastiert die Realität, die auf den Fotografien unwirklicher und virtueller wirkt, als die künstliche Welt. Die Fotografien von Angela Bröhan thematisieren die Frage nach dem Abbild, nach der Funktion von Künstlichkeit und in der letzten Konsequenz nach der Funktion der Fotografie selbst.

(Dr. Sabine Meister, Berlin, 2012)