Texte
Zu den Fotografien von Angela Bröhan

In ihren Arbeiten ist Angela Bröhan verborgenen Strukturen auf der Spur. Sie sucht nach dem Zauberhaften, dem poetischen Moment, und nimmt selbst kleinste Nuancen wahr. Objekte, die sie faszinieren, löst sie aus dem gewohnten Zusammenhang. „Die Suche nach der individuellen Formensprache ist“, so sagt sie, „wie ein
fortlaufender Prozess, zum eigenen Sehen zu gelangen.“

Ihre Fotografien entstammen verschiedenen Themenbereichen: Stilleben aus Kleingärten, Gehölz- und Pflanzstrukturen, Blumenbilder und -Tableaus, die wie Metamorphosen wirken; andere wurden dem Portfolio „Arsenal des Alltäglichen“ entnommen – eine Auseinandersetzung mit der Verletzlichkeit des Körpers.

Durch die Auflösung der realen Konturen erzeugt die Fotografin eine eigene, malerisch anmutende Sprache, die gegenständliche Details, Farben und Strukturen verdichtet. Dem Betrachter öffnen sich überraschende Ansichten gegenständlicher Welten, die wie abstrakte Kompositionen anmuten. Sie geben ihm Freiheit und den Raum zu eigenen Assoziationen.  

Nicht der distanzierte Blick ist das Merkmal dieser Bilder, sondern die Nähe. Sie reflektieren mehr Atmosphäre
und Geheimnis, als dass sie die Frage beantworten: Was ist das? Was stellt es dar? Jeder Mensch mag eigene Antworten finden - sie spiegeln seine Bilderwelten, die er in sich trägt.

                                                                                                Dr. Andreas Mäckler

 

"In Gärten" 2009/2010
Ausstellung zum Thema "Revier" - Kunstraum Bethanien, Berlin 2010

Angela Bröhan betreibt eine Art Feldforschung in deutschen Schrebergärten, dem Gartenrevier Nummer eins.
Auch heute noch liegt die gepachtete Gartenparzelle mit Gartenlaube voll im Trend. In Deutschland gibt es rund eine Million Kleingärten hauptsächlich in Städten und zusammengenommen haben diese eine Fläche von mehr als 46.000 Hektar. Doch treffen gängige Klischees über scharfkantig gestutzte Hecken, blitzblank polierte Lauben der Marke „Voralpenland“ oder namens „Wandlitz“, kitschige Gartenzwerge als Dekor und deutsch-national gesinnte Laubenpieper noch zu?
Tatsächlich wirken viele Gärten wohlgeordnet, jedes Revier ist exakt zum Nachbargrundstück abgesteckt und Sichtschutz soweit wie erlaubt auch vorhanden. Man verteidigt das kleine Gartenrevier gegen Eindringlinge und Blicke von Außen und folgt den strikten Regeln der Bewirtschaftung. Angela Bröhan nimmt die Rolle einer heimlichen Voyeurin ein und erhascht mit der Kamera flüchtige Einblicke in manchmal trügerische Idyllen durch Hecken und Zäune. Ihre im Bildfries paarweise angeordneten Fotografien mit dem Titel „In Gärten“ zeichnen sich durch
ein Spiel mit Schärfe und Unschärfe aus, wodurch der Charakter des Vorbeigehens und Fokussierens unterstrichen wird. Die kontrastierenden Inhalte der Bilderpaare lassen, ähnlich wie bei der sequenzierten Bilderfolge eines Storyboards, Erzählstränge entstehen.

Manuela Lintl

 

"BETTY"

Betty ist eine der in den letzten Jahren entstandenen fotografischen Themenarbeiten und besteht aus einer Reihung von gleich großen Color-Fotografien die - auf Aluminium aufgebracht, - mit Abstand zur Wand,- einen objekthaften Charakter besitzen.

Die Protagonistin wechselt ihre Schauplätze - bewegt sich in bühnenhaften Szenarien,- Räumen, die anmuten wie reale Landschaften, wie urbane Situationen in Metropolen und lässt Raum für Erinnerungen und Assoziationen.

Der Betrachter erkennt Zitate auf große Namen der Architektur und  Kunstgeschichte und lässt sich auf ein Verwirrspiel ein, in dem Fiktion und Realität geheimnisvoll verschmelzen.